Die Saldosteuersatzmethode (SSS) ist ein vereinfachtes Verfahren der Schweizer Mehrwertsteuer. Statt jede einzelne Vorsteuer aus Eingangsrechnungen separat geltend zu machen, schuldet das Unternehmen einen pauschalen Prozentsatz auf den Bruttoumsatz. Dieser Saldosteuersatz ist branchenspezifisch und liegt zwischen 0.1 % und 6.7 %.
Wer kann die SSS nutzen?
Zugelassen sind Unternehmen, deren Werte gleichzeitig folgende Schwellen einhalten:
- Steuerbarer Jahresumsatz ≤ CHF 5'024'000 (inkl. MWST).
- Steuerschuld pro Jahr ≤ CHF 108'000 (berechnet zum vorgesehenen Saldosteuersatz).
Die Anmeldung erfolgt bei der ESTV. Ein Wechsel zurück zur effektiven Methode ist erst nach drei Jahren wieder möglich.
So funktioniert die Abrechnung
Im Gegensatz zur effektiven Methode gibt es keine Vorsteuerabzüge. Die ESTV unterstellt, dass die typische Vorsteuerbelastung der Branche bereits im Saldosteuersatz berücksichtigt ist.
Beispielrechnung Coiffeursalon (Saldosteuersatz 5.1 %):
| Position | Betrag |
|---|---|
| Umsatz brutto im Quartal | CHF 30'000.00 |
| Geschuldete MWST (5.1 % auf Brutto) | CHF 1'530.00 |
Im Vergleich dazu wäre nach der effektiven Methode 8.1 % auf den Nettoumsatz geschuldet, abzüglich Vorsteuern – die SSS spart vor allem Verwaltungsaufwand.
Abrechnungsrhythmus
| Methode | Rhythmus |
|---|---|
| Effektive Methode | Quartalsweise (4× pro Jahr) |
| Saldosteuersatzmethode | Halbjährlich (2× pro Jahr) |
| Pauschalsteuersatzmethode | Halbjährlich |
Wichtige Einschränkungen
- Maximal zwei Saldosteuersätze pro Unternehmen, sofern unterschiedliche Tätigkeitsbereiche je mehr als 10 % zum Umsatz beitragen.
- Keine Vorsteuerentlastung auf Investitionen oder Lagerbeständen beim Wechsel zur effektiven Methode (Korrekturmechanismen sind komplex).
- MWST-Ausweis auf Rechnungen bleibt obligatorisch zum effektiven Steuersatz (8.1 % bzw. 2.6 %), nicht zum Saldosteuersatz.
Wer viele MWST-belastete Investitionen plant (z. B. Maschinenkauf, Fahrzeugflotte), fährt mit der effektiven Methode meist günstiger – die Saldosteuersatzmethode lohnt sich primär für dienstleistungslastige Kleinbetriebe mit geringer Vorsteuerquote.
